Der Hund

Der Hund

Geschichte:

In letzter Zeit ist die Rasse der Bichon Frisé's mehr und mehr ins Rampenlicht gerückt. Doch leider sind neben vielen guten Informationen, auch immer wieder missverständliche und fehlerhafte Ausführungen zu lesen.

 

Korrekt dargestellte Historie

Dieses Portrait will versuchen, den Bichon frisé so korrekt und neutral wie möglich - und doch mit dem Liebreiz, der dieser Rasse eigen ist - darzustellen.

Neue Schöpfung der "Hunde - Designer" - oder uralter Adel?

Es handelt sich bei dieser Rasse nicht etwa um einen neuen Tick überehrgeiziger Hundezüchter, die wieder einmal einen neuen Hund entwarfen, sondern diese Hunde kommen tatsächlich aus ebenso altem Hause, wie z.B. sein Stammesgenosse, der Malteser. Seine Abstammung findet der Bichon Frisé im Waterspaniel bzw. Barbet. Mit ihm sind insgesamt 7 Rassen zur Gruppe der Bichons zusammengefasst. Diese Gruppe kannte man früher unter dem Namen "Barbichons". Zu ihnen zählt der Bichon frisé, der Bichon Maltais (Malteser), der Bichon Havanais (Havaneser), der Bichon Bolognese (Bologneser), das Petit Chien Lion (Löwchen), der Coton de Tulear (Baumwollhündchen) und seit jüngster Zeit auch der Bolonka Zwetna (letzterer gilt jedoch nur in Deutschland als anerkannte Rasse). Aus den Rassenamen ist leicht zu ersehen, daß diese Gruppe im Französischen ihren Ursprung hatte. Ursprung aber nur insofern, daß Frankreich (im Falle der Bichon frisé, zusammen mit Belgien, 1933) den ersten international gültigen Standard verfasste.

 

Geschichtlicher Hintergrund des Bichon Frisé

Der wahre Ursprung des Bichon frisé's ist bis heute nicht geklärt. Es lässt sich zurückverfolgen, das diese Rasse um 1500 von spanischen Seglern auf die Kanarischen Inseln gebracht wurde. Besonders auf Teneriffa weisen viele Spuren auf ihn hin. In einigen Rassehundebüchern wird er sogar heute noch als "Bichon Ténériffe" aufgeführt. Dort wurde er (vermutlich erstmalig) gezielt gezüchtet, und an hohe Herrschaften in Spanien und Italien verkauft. Bereits kurze Zeit später, um 1515, gelangte er als Kriegsbeute nach Frankreich. Hier eroberte er im Sturm die Herzen der hochherrschaftlichen Damen der Renaissance. Sie umgaben ihn mit soviel Aufmerksamkeit, daß er in jedem Salon zum Mittelpunkt wurde. Schon damals verlockte sein üppiges Fell zum Frisieren. Man drehte ihm zusätzliche Löckchen ein, band ihm bunte Schleifchen ins Haar, und man parfümierte ihn sogar. Er wurde so sehr verhätschelt, daß er einen neuen, passenderen Namen bekam: Bichon à poil frisé! Bichon ist abgeleitet von dem französischen Wort bichonner, was verhätscheln bedeutet. À poil frisé heißt: mit gelocktem Fell. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte er unter dem französischen Herrscher Henry III ( 1574 - 1589). Die feinen Damen seiner Zeit sollen ihn als Postillion d'amour eingesetzt haben. Noch lange Zeit war er für das "gemeine Volk" unerreichbar. Irgendwann im Laufe seiner Geschichte muß sich das Blatt für ihn gewendet haben. Denn plötzlich tauchte er in den Geschichten der alten Clochards auf. Seine bemerkenswerte Intelligenz ließ sich gut vermarkten. Er mußte Kunststückchen vorführen, was seinem Besitzer gutes Geld einbrachte. Ihm selbst wahrscheinlich weniger, denn er verlotterte und sein schönes Fell verfilzte. Ein alter französischer Film zeigt die Geschichte eines solchen Clochards mit seinem Bichon frisé - Hündchen. Er fristete ein unangemessenes Dasein, bis er in diesem Jahrhundert endlich wieder als liebenswerte Rasse anerkannt und geliebt wurde.

Der Werdegang der Rasse - Bichon Frisé - im 20. Jahrhundert

Im März des Jahres 1933 wurde dieser Rasse ein Rahmenprogramm erstellt, in das er äußerlich und charakterlich hineinpassen muß, um als rassetypisch eingestuft zu werden, der sogenannte Standard. Schon 1 1/2 Jahre später erschien er, im Oktober 1934, erstmalig im französischen Zuchtbuch. 1956 tauchte er erstmalig im Deutschen Zuchtbuch auf, fälschlicherweise allerdings unter dem Namen Bologneser. Diese Tatsache darf nicht dazu verleiten, diese beiden grundverschiedenen Rassen zu verwechseln. Der Bologneser, in seinem Standard als ernster, zurückgezogener und wenig temperamentvoller Hund bezeichnet, unterscheidet sich charakterlich in erheblichem Maße vom Bichon frisé, der wiederum ein fröhlicher, lustiger und temperamentvoller Hund sein muß. Es handelte sich bei diesen Eintragungen also um einen wirklichen Fehler, der im Nachhinein leider unabänderlich ist. Ebenfalls im Jahre 1956 gelangte der Hund nach Amerika. Da America jedoch nicht der weltweiten Dachorganisation FCI angehört, hatten sich die Zuchtziele der Rasse Bichon Frisé dort zunächst in eine andere Richtung bewegt. Die Bichons waren deutlich größer mit erheblich längerem Fang (ähnlich dem des Pudels). Glücklicherweise ist durch die weltweite Verknüpfung auch die Bichon Frisé Zucht näher zusammengerückt und die kleinen weißen Hunde werden sich immer ähnlicher.

1973 traf in England das erste offizielle Zuchtpaar ein. Dort war innerhalb kürzester Zeit die größte Population weltweit anzutreffen. Hier sah man den Bichon Frisé auch schon recht früh mit geschnittenen Haaren, was auf dem europäischen Festland noch völlig ausgeschlossen war. Schließlich erlaubt der Standart bis heute nur das Schneiden der Haare an Fang und Füssen.

1956 vermeldet das Deutsche Zuchtbuch erstmalig 9 Welpen.bis Anfang der 60er waren das die Einzigen. Ab da an gab es nur vereinzelt Bichon Frisé Welpen in Deutschland und 1970 gab es den höchsten Eintrag mit 24 Welpen. Kein Mensch interessierte sich für diesen zerlodderten, schmuddeligen kleinen Hund mit rot verfärbtem Tränengesicht.

 

Diagramm

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Etablierung der Rasse Bichon Frisé in Deutschland

Hin und wieder kann man im Internet einen Eintrag finden, dass ein gewisser Eduard Möckesch die Rasse Bichon Frisé in Deutschland bekannt gemacht habe. Dies ist jedoch nicht korrekt. Er hatte drei Würfe mit insgesamt neun Welpen und vor allen Dingen war er überaus streng, was das Bürsten und Frisieren angeht. Der Bichon Frisé durfte für ihn NICHT gebürstet oder gebadet sein und ein Schneiden der Haare war absolut ausgeschlossen. Das hat dieser Rasse ganz sicher keine Attraktivität gegeben!
Der Umschwung kam tatsächlich erst mit dem Aufbau der „SNOWFLAKE – Linie“ 1981 im VDH. Ab da an stiegen die Neuzüchtereintragungen von Jahr zu Jahr und die Welpeneintragungen namen stetig zu. 1981 - 8 Welpen, 1987 - 32 Welpen und 1991 bereits 75. Tendenz stark steigend. Fast alle Deutschen Züchter bauten ihre Blutlinien mit „SNOWFLAKE BICHON FRISÉ“s auf. Kirsten Vinzelberg war die erste Deutsche Bichon Frisé Züchter- und Ausstellerin, die ihre kleinen weißen Hunde nach englischem Vorbild in gebadetem und gebürstetem Fell zur Ausstellung brachte. Ganz langsan führte sie nach und nach das leichte Schneiden der Haare ein. Als das überwiegend akzeptiert wurde, verfeinerte Kirsten Vinzelberg den Schnitt mehr und mehr und zeigte ihre Bichon Frisé Hunde in ganz Europa, was auf den Ausstellungen zu goßen Attraktionen wurde. Bald wurden die „SNOWFLAKE’s“ auch bei ausländischen Züchtern zu Stammeltern deren Zuchten. Viele (heute namhafte Züchter) ließen und lassen auch heute ihre Hunde vor wichtigen Austellungen von Kirsten Vinzelberg schneiden und für die Schau zurecht machen.

Der Bichon Frisé im Alltag:

Dieser kleine, weiße Kuschelhund ist völlig unkompliziert und leicht erziehbar. Er passt seinen Rhythmus den häuslichen Gegebenheiten an und fügt sich in bestehende Abläufe. Er ist immer freundlich zu Kindern - oder auch zu Artgenossen und anderen Tieren. Er kann getrost als Anfängerhund bezeichnet werden, bietet aber auch dem Hundeprofi genügend Möglichkeiten, mit ihm zu arbeiten. Er eignet sich zum Agility ebenso hevorragend, wie zum Schmusen auf der Couch.

 

Charakter und Eigenarten des Bichon Frisé

Diesen Hund kann man uneingeschränkt als idealen Wohnungshund bezeichnen. Er ist zwar wachsam, aber keinesfalls ein Kläffer. Seine Stimme ist für seine geringe Größe angenehm tief, und wenn er bellt, schlägt er zwei, drei mal kräftig an, ohne dabei in ein anhaltendes und hellklingendes Gekläffe zu verfallen. Bekannte Schritte im Treppenhaus kann er von unbekannten unterscheiden und neigt nicht dazu, bei jedem Geräusch Laut zu geben. Ohne Probleme ist es möglich, ihn regelmäßig für drei bis vier Stunden allein zu lassen. In dieser Zeit schläft oder döst er gerne und wird sich um so mehr auf die Rückkehr seiner Bezugspersonen freuen. Was über eine solche Zeitspanne hinausgeht, ist generell - unabhängig von der Rasse - nicht zu empfehlen. Seine Erziehung ist unproblematisch, denn er braucht keine harte Hand. Eine gewisse Konsequenz ist allerdings in der Hundeerziehung unerlässlich. Kein Hund würde verstehen, warum er am Sonntag auf der Couch liegen darf, und am Wochentag nicht. Also besser ist ein harmonisches Miteinander, bei dem gewisse "Spielregeln" eingehalten werden, als nervenaufreibende Machtkämpfe zwischen Hund und Herrn. Bereits nach kurzem Zusammenleben mit einem solchen Hund, wird man merken, daß der Bichon frisé eine so enge Bindung mit seinem Herrn eingeht, daß man sich mit ihm regelrecht verständigen kann. Diese Eigenschaft macht ihn auch sehr geeignet für unerfahrene Hundehalter. Natürlich liebt der Bichon, ebenso wie alle Hunde, seinen täglichen Spaziergang. Er kann dabei durchaus sehr ausdauernd sein, benötigt aber keine ausgedehnten Wanderungen, um ausgelastet und glücklich zu sein. Sein Bewegungsbedürfnis ist nicht so groß wie beispielsweise bei den Terrierrassen. Gerne verschafft er sich auch im Hause etwas Bewegung, indem er mit seinem Hundespielzeug spielt. Auf keinen Fall ist er hektisch oder nervös, oder verlangt den ganzen Tag beschäftigt zu werden. Am liebsten spielt er allerdings mit Kindern, wobei es für ihn keine Rolle spielt, ob es familieneigene Kinder sind, oder vielleicht Besuchskinder. Seine Kinderfreundlichkeit bezieht sich uneingeschränkt auf alle Kinder. Niemals würde er sich einem Kind in aggressiver Form nähern. Wenn er wirklich einmal zu sehr "traktiert" wird, dann zieht er sich einfach zurück. Das wird jedoch äußerst selten vorkommen, da er so robust ist, daß ihn ein versehentliches Ziepen oder eine zu feste Umarmung eher zu weiterem Spielen anspornt. Das gleiche gilt auch für das Spielen mit anderen Hunden. Kaum daß ein Bichon frisé mal von anderen Hunden angefallen wird, sie scheinen seine Gutmütigkeit auch zu spüren. Auf fremde Hunde geht er ebenso freundlich zu, wie auf fremde Personen. Auch ihnen bringt er kein Misstrauen entgegen. Eine seiner schönsten Eigenschaften darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Viele seiner Fans lieben ihn seiner untrügbaren Anhänglichkeit wegen. Er ist sehr verschmust und liebt es, zu ruhiger Stunde seinen Kopf in Herrchens oder Frauchens Armbeuge zu bohren und in dieser Stellung stundenlang gestreichelt zu werden. Das Schmusen hat für ihn einen enorm hohen Stellenwert, und wer dazu keine Zeit hätte, käme als "Herrchen" nicht in Frage. Natürlich ist er dabei nicht fordernd, denn er paßt sich dem Alltagsrhythmus seiner Familie vollkommen an. So zieht er sich in hektischen Momenten lieber etwas zurück, um dann zu passenderer Zeit zum Schmusen oder Spielen zu kommen.

Lobeshymne? - oder wirklich so problemlos

Wer die Charakterbeschreibungen dieser Hunde liest, ist geneigt zu fragen, "warum ist der Bichon Frisé ein so angenehmer Begleiter?" Dabei darf nicht vergessen werden, daß diese Tiere seit Jahrhunderten nur zur Vergesellschaftung der Menschen gezüchtet wurden. Das war und ist seine Bestimmung. Da war es nicht wünschenswert, daß die Hunde gut zur Fährte gingen, oder dass sie sich in der Jagd profilierten. Tiere, die einen Jagdtrieb hätten, würden nie in die Zucht aufgenommen werden. Da diese Auswahl seit Anbeginn einer gezielten Zucht betrieben wurde, ist verständlich, daß sich solche Eigenschaften auch nicht durchsetzen konnten. Auch heute noch ist die Einhaltung seiner lieblichen Charaktereigenschaften ein wichtiges Zuchtmerkmal.

 

Die Pflege eines Bichon Frisé

Oft wird die Rasse, die überhaupt nicht haart, als pflegeleicht bezeichnet, was mitunter zu Missverständnissen führen kann. Denn pflegeleicht heißt nicht pflegefrei! Manch ein Züchter soll sogar gesagt haben, die Hunde seien "selbstpflegend", eine Katze müsse man ja auch nicht pflegen. Solche Aussagen sind falsch. Sie führen dazu, daß ein Bichon nach spätestens einem Jahr so verfilzt ist, dass er nur noch nackt abgeschoren werden kann. Pflegeleicht heißt in diesem Fall; leichter als sie bei jedem anderen langhaarigen Hund ist

Fehler und Krankheiten des Bichon Frisé

Als Fehler sind bei dieser Rasse zu nennen; zu wenig Nasenpigment, d. h. die Nase ist nicht tiefschwarz; eingedrehte Rute; oder Augentränen, was zu rötlichen Verfärbungen um die Augen führt und den Gesamteindruck sehr stört. Auch ein langer Fang kann dem Hund seine Lieblichkeit nehmen. Krankheiten aufzuzählen fällt schon schwerer, denn die gibt es bei den seriös gezüchteten Hunden so gut wie gar nicht. Wie bei allen kleinen Hunderassen müsste man an die Kniescheibenluxation denken, bei der die Kniescheibe aus ihrer vorgesehenen Position springt, und der Hund kurzzeitig wie ein "hüpfendes Kind" läuft. In schweren Fällen kann eine Operation nötig werden. Diese Krankheit ist bei Bichon Frisé's aber sehr selten.